Herzlich willkommen auf unserer Webseite. Hier finden Sie Impressionen vom ersten internationalen Vogelscheuchen-Festival, das vom 18. Juni bis 27. August 2016 im und rundum das Schlossgut in 3110 Münsingen nahe der Schweizer Hauptstadt stattgefunden hat.

Scnhüüchilidli
Dänu Brüggeman

Einige Inspirationen von hansjörg und suzanne frutig, Rubigen

Viele fantastische, schaurige scheuchige Scheuchen scheuchelten einen Sommer lang im Schlossgut

 

Viele Vogelscheuchen-Bauer und Bauerinnen haben beeindruckende, schaurige scheuchige Scheuchen gebaut! Diese lockten zahlreiche Besucher an.

 

In Münsingen auf dem Schlossgut wurde das erste internationale Vogelscheuchen-Festival mit einer fröhlichen Feier eröffnet, musikalisch umrahmt vom Pianisten Antonio Davi, dem Berner Urgestein Dänu Brüggemann und Sängerin Monique. Vogelscheuchen-Geschichten und Gedichte ergänzten das bunte Programm.

Ebenso kunterbunt ging es bis am 27. August weiter: Im Schlossgutpark und der Gärtnerei gab es viele Kunstwerke von Nah und Fern zu bestaunen. Fantasievoll waren nicht nur die schaurig-scheuchigen Gestalten, sondern auch die Geschichten und Gedichte dazu.

 

Wettbewerb der Schönsten

Die fantasievollen Kunstwerke konnte man nicht nur bestaunen, an der fröhlichen Ausstellung konnte man sie sogar noch bewerten. So entstand der Wettbewerb der Schönsten. Am Ende des Festivals gab es dann ein spannendes Prämierungsfest mit Preisverleihung. Die glücklichen Gewinner findet ihr hier Rangliste

 

SOS Kinderdorf

In der letzten Festivalwoche wurden die zur Auktion freigegebenen Vogelscheuchen zu Gunsten des SOS Kinderdorf versteigert. Mit Freude durften wir dem Hilfswerk einen Scheck von Fr. 5526.00 überreichen.

Das kunterbunte Rahmenprogramm bot Jung und Alt abwechslungsreiche Unterhaltung:

Offene Bühne – auch für Dich!

Immer von Mittwoch bis Sonntag stand Musikern, Sängern, Dichtern, Poetry Slammern, Schriftstellern, Märchenerzählern, Komikern, Kabarettisten, Artisten und –innen eine offene Bühne zur Verfügung. Sowohl Profis als auch Neulinge waren willkommen – die Mischung machte den besonderen Reiz aus.

Spiele für Jung und Alt auf dem Schlossgutplatz

Täglich gab es Spiele für Jung und Alt wie Riesen Jenga, Kuhglockenwerfen , der heisse Draht, Kastenkegeln, Erbsenknaller, das verflixte Rohr, Riesen Mikado, Schneckenrennen und, und … Am Wochenende und ab Juli auch donnerstags und freitags. lockte das Kinderland mit Serafina Eulenstein. Eine Slackline, Karussell, und der grosse Kinderspielplatz ergänzten das Angebot. Zu bestimmten Zeiten wurde den Kindern auch Ponyreiten angeboten.

Vogelhuus-Beizli mit Grillstelle

Für das leibliche Wohl wurde ebenfalls bestens gesorgt: Am „Voguschüchi-Beizli“ mit Grillstelle konnte man sich mit warmen und kalten Köstlichkeiten eindecken.

Ein Ausflug mit Familie und Freunden wurde zum tollen Erlebnis!

 

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Pepes Vogelscheuche

Der Tag neigte sich dem Ende zu, die Vögel verstummten langsam. Um ein immer grösser werdendes Feuer, sass eine Gruppe von Frauen, Männern, jung und alt und natürlich Kinder. Unter ihnen war auch eine uralte Frau, die noch viele der vergessenen Volksweisheiten und Geheimnisse aus alten Zeiten wie ein Schatz hütete und nur bei besonderen Momenten preis gab. Still sassen die Menschen um das Feuer, da erhob sich die Alte, legte ein Holzstück auf das Feuer und als die goldenen Funken gegen den Nachthimmel stiegen, begann sie zu erzählen:

„Vor langer langer Zeit, als die Menschen noch angewiesen waren auf die Arbeit der Vogelscheuchen, denn diese sorgten für ihr Überleben, und es ging wahrhaftig ums Überleben, hatten nicht alle eine.

Die einfachen Leute besassen oft nur einen kleinen Acker den sie mit viel Liebe, Knochenarbeit und auch ein bisschen Verzweiflung bewirtschafteten.

Die Vogelscheuchen bewachten den kostbaren Samen in Muttererde, die kleinen saftigen Pflänzchen und die reife Ernte. Und sicherten somit das Fortbestehen der Familien.

Wie oft mussten Kinder weggegeben werden, weil die Ernte doch nicht ausreichte um alle hungrigen Mäuler zu stopfen.

Eine wirklich arme kleine Familie, Vater, Mutter und Sohn hatten nicht einmal ein Hemd, Hut oder Stroh um sich eine Vogelscheuche zu bauen.

So sass der kleine Junge Pepe oft auf dem Feld und versuchte die hungrigen Vögel zu vetreiben um nicht doch noch die letzten Samen, die sie hatten zu verlieren.

Er liebte es zwischen den Pflanzen am Boden zu liegen und den Wolken zuzuschauen, die weit oben an ihm vorbeizogen.

An einen schönen Sommertag, als die Ähren im heissen Sonnenschein begannen zu platzen, sass Pepe im Schatten eines grossen Baumes. Sein Herz war schwer, denn er hatte seine Eltern am Abend zuvor streiten gehört. Es ging um ihn, sie überlegten ihn an einen reicheren Bauern für die Ernte und vielleicht darüber hinaus weg zu geben. So leer war ihr Vorratskämmerlein.

Da kam ein alter Mann, gestützt auf einen grossen Stock und einem Bettel unter dem Arm auf ihn zu und setzt sich zu ihm in den Schatten.

„Junge, es ist so schrecklich heiss, hättest du mir etwas zu trinken und vielleicht auch zu essen?“

Pepe überlegte nicht lange, nahm seinen Wasserkrug, der bereits halb leer war, und reichte ihn dem alten Mann. Er dachte bei sich, dass er ja beim Bauern vielleicht wieder etwas zu Essen bekommen würde und zog er sein letztes kleines Stückchen Brot aus der Tasche und reichte auch das dem Alten.

Schweigend sassen sie nebeneinander bis der alte Mann seinen Durst und Hunger gestillt hatte.

Dann stand dieser auf, strich Pepe über das Haar und sagte: „Ich danke dir von herzen, du bist ein guter Junge und deine Grosszügigkeit soll belohnt werden.“ Er drehte sich um und verschwand hinter dem Baum.

Pepe sprang auf, denn er hatte gesehen, dass der Alte ohne Stock und Bettel davon gegangen war. Er packte beide Sachen und wollte sie dem alten Mann hinterhertragen. Aber so gut Pepe auch suchte, er fand ihn nicht wieder.

Die Neugier nahm Überhand und so öffnete er den Rucksack und zog ein grosses Hemd in leuchtendem Gelb heraus, aber dem sei noch nicht genug, er fand auch noch einen grellroten Hut, ein strahlend blaues Halstuch und eine purpurne Hose.

Nun suchte Pepe eifrig trockenes Gras zusammen, stopfte die Kleidungstücke damit aus und befestigte sie dann mit Flachsschnüren am langen Wanderstock des alten Mannes.

Er freute sich darauf sein Werk und sein Glück seinen Eltern zu zeigen, nun mussten sich sich nicht mehr grämen und er müsste bestimmt nicht weggehen.

Pepe war begeistert – nur hatte seine wunderschöne Vogelscheuche noch kein Gesicht.

Die Arbeit hatte all seine Kräfte aufgebraucht und Pepe sank müde zu Boden und schlief auf der Stelle ein.

Erst viel später, als der volle Mond schon hoch am Himmel stand und tausende von Sternen am Firmament glitzerten wachte Pepe auf und sah in das lächelndes Gesicht der Vogelscheuche.

„Du hast ein Gesicht!“ staunte Pepe. „Ja dank dir bin ich zu neuem Leben erwacht. Ich habe schon vielen Familien über Jahre hinweg gut gedient und ihre Saat und Ernte beschützt. Und nun werde ich das für dich und deine Eltern und vielleicht auch noch für deine Kinder und Kindeskinder tun. Und des Nachts, wenn der volle Mond am Himmel steht bin ich immer gerne für einen Schwatz zu haben! Nun aber lauf schnell heim zu deinen Eltern, sie sorgen sich um dich. Erzähle ihnen von mir und sei gewiss, euch wird es an nichts mehr fehlen!“

Die Vogelscheuche drehte ihr Gesicht dem Vollmond zu und stand sicher und stolz auf dem Acker der kleinen Familie. Sie freute sich schon auf den nächsten Morgen und auf die Sonnenstrahlen, die ihr Gesicht wärmen würden.

Und es kam so wie sie es Pepe versprochen hatte, er musst nicht fortgehen und er und seine Eltern nie mehr Hunger leiden.“

Die uralte Frau legte ein weiteres Stück Holz auf das Feuer, schaute in die Gesichter der staunenden Zuhörer und erzählte weiter:

„Der alte Pepe besucht noch heute seine Vogelscheuche, nicht nur in Vollmondnächten – und du? Hast du auch schon mit deiner Vogelscheuche den nächtlichen Himmel bestaunt und einen netten Plausch mit ihr geführt? Nicht? Worauf wartest du denn noch?“

(Die Alte schaute nochmal in die Gesichter die ihr andächtig lauschten und erhob ein letztes Mal ihre Stimme: „Mir ist zu Ohren gekommen, dass in Münsingen eine Vogelescheuchen-Zusammenkunft statt findet und Pepes Vogelscheuche auch daran teilnimmt. Werdet ihr sie besuchen?“)

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